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Gargazon
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Gargazon ([]; italienisch: Gargazzone) ist eine italienische Gemeinde mit 1767 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2024) in SĂŒdtirol. Sie liegt 10 Kilometer sĂŒdlich der Kurstadt Meran und 15 Kilometer nordwestlich von Bozen, auf der östlichen Talseite des Etschtals.
Contents
âą Geographie
âą Geschichte
âą Politik
âą BĂŒrgermeister
âą Wappen
⹠Bevölkerung
âą Bildung
âą Verkehr
âą Wirtschaft
âą Pfarrkirche
⹠Kröllturm
âą Panorama
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geographie
Die Gemeinde Gargazon befindet sich im Burggrafenamt im Etschtal zwischen Meran und Bozen. WÀhrend das Gemeindegebiet FlÀchen beiderseits der Etsch umfasst, liegt das Dorf auf der orographisch linken, östlichen Talseite auf dem Schwemmkegel des Aschler bzw. Gargazoner Bachs. Das Ortszentrum befindet sich auf etwa 270 m Höhe; dahinter steigt das GelÀnde zu den HÀngen des Tschögglbergs an, die aber nur in TalnÀhe bis etwa 400 m Höhe zur Gemeinde gehören.
Der Aschler Bach bildet direkt nördlich des Dorfzentrums die Gemeindegrenze zu Burgstall. Noch heute kann der Aschler Bach, der mehrere schöne WasserfĂ€lle aufweist, bei Unwetter gefĂ€hrlich werden. In den Jahren 1960 und 1966 haben seine Wassermassen die Obstanlagen in der Talebene ĂŒberflutet und groĂe SchĂ€den angerichtet.
Geschichte
Das frĂŒheste Schriftzeugnis ist von 1027 und lautet âGarganzano fluvioâ. Das Wort geht auf den lateinischen PrĂ€dialnamen Gargantius/Carcontius zurĂŒck. Allerdings sind diese Personennamen nicht wirklich nachweisbar. Ein anderer Ansatz erklĂ€rt den Ortsnamen mit lat. gargarizare (âgurgelnâ). In Verbindung mit der Tatsache, dass sich das frĂŒheste Schriftzeugnis auf einen Fluss (fluvius) bezieht, wĂ€re die Hypothese eines Baches mit gurgelndem GerĂ€usch durchaus vorstellbar. Der Name des Aschler Baches lautet noch heute im unteren Teil Gargazoner Bach. Aschl kommt von mittelhochdeutsch asche (âEscheâ) und kann demnach erst seit dem Mittelalter der Name des Baches sein.cite-ref-1[1]
Der Aschler Bach diente im Laufe der Zeit mehrmals als administrative Grenze von regionaler oder ĂŒberregionaler Bedeutung:
âą In der Folge war er zumindest bis ins SpĂ€tmittelalter die SĂŒdgrenze des Burggrafenamts.
⹠Mit dem Frieden von Schönbrunn 1809 bildete der Aschler Bach die Grenze zwischen dem napoleonischen Königreich Italien und der bayrischen Herrschaft in Tirol.
Gargazon gehörte bis zum Ende des Ersten Weltkriegs innerhalb der Grafschaft Tirol zum Gerichtsbezirk Meran und war Teil des Bezirks Meran.
Politik
BĂŒrgermeister
BĂŒrgermeister seit 1952:cite-ref-2[2]
âą Fridolin Thuile: 1952â1960
âą Karl Adami: 1960â1968
âą Johann Zischg: 1968â1974
âą Rudolf Bertoldi: 1974â2010
âą Armin Gorfer: 2010â2025
âą Bernhard Paris: seit 2025
Wappen
Das Wappen von Gargazon zeigt auf rotbraunem Berg, ein Hinweis auf das rötlich schimmernde Gestein der Gegend, den Bozner Quarzporphyr, in Silber den Bergfried Kröllturm. Er wurde wahrscheinlich von Berthold Chrello von Trautson im Jahre 1240 erbaut. Die drei stilisierten LaubbÀume weisen auf den lebenswichtigen Obstanbau in der Gemeinde hin.
Bevölkerung
Gargazon ist gemÀà den erhobenen SprachgruppenzugehörigkeitserklĂ€rungen bzw. SprachgruppenzuordnungserklĂ€rungen eine mehrheitlich deutschsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gĂŒltigen ErklĂ€rungen von Personen mit italienischer StaatsbĂŒrgerschaft herangezogen.
Bildung
In Gargazon gibt es einen deutsch- und einen italienischsprachigen Kindergarten. Das einzige schulische Angebot in der Gemeinde ist die deutschsprachige Grundschule.
Die Bibliothek verfĂŒgt ĂŒber einen groĂen Bestand an BĂŒchern, Zeitschriften und anderen Medien. Der Bestand wird weiterhin aufgebaut und gepflegt.
Verkehr
Die HauptstraĂe, die durch das Dorfzentrum fĂŒhrt, wurde durch den Bau der SchnellstraĂe MeranâBozen (âMeBoâ) wesentlich entlastet. Der Bahnhof Gargazon an der Bahnstrecke BozenâMeran ist vom Ortskern schnell erreichbar. Die entlang der Etsch verlaufende Radroute 2 âVinschgauâBozenâ verknĂŒpft die Gemeinde mit dem regionalen Radwegnetz.
Wirtschaft
In der Landwirtschaft werden verschiedene Apfelsorten angebaut, die groĂteils von der örtlichen Obstgenossenschaft vermarktet werden.
Als Ferienort ist Gargazon im FrĂŒhjahr zur Zeit der BlĂŒte, im Sommer zum Wandern und Radfahren und im Herbst zur Erntezeit sehr beliebt. Durch die zentrale Lage ist Gargazon Ausgangspunkt fĂŒr unzĂ€hlige AusflĂŒge zu FuĂ oder mit dem Fahrrad, sowie fĂŒr Tagestouren mit Auto oder Motorrad (Dolomitenrundfahrt, Gardasee, Venedig). Der Ferienort liegt etwas abseits des Touristenrummels. Die Kurstadt Meran und die Landeshauptstadt Bozen sind jedoch innerhalb weniger Minuten mit Auto, Bus oder Zug zu erreichen.
SehenswĂŒrdigkeiten
Siehe auch
:
Liste der BaudenkmÀler in Gargazon
und
Liste der NaturdenkmÀler in Gargazon
In Gargazon befinden sich zwei Kirchen; beide stehen unter Denkmalschutz.
Alte Pfarrkirche zum Hl. Johannes der TĂ€ufer
Schon 1337 wird eine Kirche in Gargazon erwĂ€hnt. Es ist die alte Kirche, die jetzt als Totenkapelle dient. Sie ist öfters umgebaut und restauriert worden, zuletzt im Jahre 1981. Nun ist die im gotischen Baustil errichtete Kirche das SchmuckstĂŒck des Dorfes. Sie hat einen 13,5 m hohen Spitzturm, einen vielwinkligen Choralabschluss und ein Tonnengewölbe. Der Altar ist aus Stuckmarmor; das Altarbild zeigt die Taufe Christi. Die auf dem KirchengelĂ€nde befindliche Tanne wird jedes Jahr in der Weihnachtszeit beleuchtet. Das Kriegerdenkmal befindet sind an der Westseite des GebĂ€udes. Ebenso wird hier das alljĂ€hrliche Johannesfest (24. Juni) gefeiert.
Pfarrkirche
Im Jahre 1899 begann man in Gargazon mit dem Bau einer neuen Kirche, die dem Herz Jesu geweiht werden sollte, denn die alte war so klein, dass sie nicht einmal fĂŒr die HĂ€lfte der damaligen Bevölkerung genĂŒgte. Am 13. Mai 1900 wurde der Grundstein gelegt und 1902 war die Kirche bis auf den Oberbau des Turmes vollendet. Das Mosaikbild ĂŒber dem Hauptportal, Jesus Christus mit geöffneten HĂ€nden, wurde im Dezember 1903 eingesetzt. Geweiht wurde die Kirche erst am 13. Mai 1928 durch Bischof Celestino Endrici aus Trient (13. Mai). Der Turm wurde 1930 vollendet und die Glocken wurden 1931 geweiht. Der Bau ist im romanischen Stil ausgefĂŒhrt. Der Porphyrstein, aus dem die ganze Kirche und auch der Turm gemauert ist, stammt aus einem nahen Steinbruch. Wegen dieses schönen Steins war ein AuĂenverputz nicht nötig. Die Portale und Gesimse wurden aus Sandstein und teils in gelbgrauen Trientner Marmor ausgefĂŒhrt. In letzter Zeit wurden neue Fenster und farbige Scheiben eingesetzt, die TĂŒr des Hauptportales verkupfert, ein neuer Altar aus Sandstein aufgestellt, Lautsprecheranlagen installiert und eine Heizung eingebaut.
Kröllturm
Der Kröllturm wurde von Berthold Chrello (erstmals erwĂ€hnt 1237) aus dem Geschlecht der Trautson auf Schloss Sprechenstein errichtet, deren Wappensymbol, das nach unten offene Hufeisen, sich am Schlussstein des romanischen Hocheingangs befindet. Der Hofmann des Tiroler Grafen Meinhard II. dĂŒrfte sich hier eine kleine Burg errichtet haben, um einen zweiten Wohnsitz in der NĂ€he der landesfĂŒrstlichen Burg Tirol zu haben; er besaĂ auch die meisten Höfe in Gargazon. Es steht jedoch heute nur noch der Bergfried und da bislang keine Grabungen stattgefunden haben, ist ungeklĂ€rt ob an der dem Tal zugewandten Westseite auch ein kleiner Palas und ein Torbau standen. Die Möglichkeit, dass es sich um einen bloĂen Kreidturm als Wacht- und Signalturm handelte, wird aus historischen GrĂŒnden fĂŒr unwahrscheinlich gehalten.cite-ref-6[6] Berthold Kröll muss sich in den KĂ€mpfen Meinhards II. mit FĂŒrstbischof Heinrich II. von Trient auf die Seite des Letzteren gestellt haben, denn 1275 eroberte der Graf, neben vielen anderen Adelsburgen, auch den Sprechenstein bei Sterzing und den Kröllturm. 1279 stand Berthold dann im Dienst der KĂ€rntner Grafen von Ortenburg.cite-ref-7[7]
Ein WeiĂbauer hat im September 1905 im Inneren des Turmes gegraben und dabei sieben römische MĂŒnzen gefunden. Eine Herkunft des Turms aus der Römerzeit wird aber bezweifelt. Im Jahre 1984 wurde eine eingestĂŒrzte Wand wieder errichtet.
Wichtige Persönlichkeiten
Zu den wichtigsten Persönlichkeiten zÀhlen:
âą Pater Josef Chronst (geb. 19. MĂ€rz 1924 in Gargazon, gest. 17. Dezember 1997 in Algund) war wĂ€hrend seiner priesterlichen TĂ€tigkeit Pfarrer der Pfarrgemeinde Algund, Dekan von Tramin sowie Kooperator und Religionslehrer in Schenna, Margreid und Nals, der Erbauer der neuen Pfarrkirche von Algund sowie EhrenbĂŒrger des Dorfes Algund und TrĂ€ger des Verdienstkreuzes des Landes Tirol.
âą Robert Fliri (1976â2025), Erfinder des modernen BarfuĂschuhs, lebte mit seiner Familie in Gargazon und ist auf dem örtlichen Friedhof begraben.
Panorama
Literatur
âą Christoph Gufler: Gargazon â Das Dorf an der Etsch. Gargazon 2018.
Weblinks
Commons
: Gargazon
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
âą Website der Gemeinde Gargazon
âą Landschaftsplan der Gemeinde Gargazon. Abteilung Natur, Landschaft, Raumentwicklung, Autonome Provinz Bozen â SĂŒdtirol (PDF-Datei).
âą Michael Fritz: Gargazon. In: geschichte-tirol.com, Datenbank des Vereines âfontes historiae â Quellen der Geschichteâ.
âą Eintrag im Tirol Atlas des Instituts fĂŒr Geographie an der UniversitĂ€t Innsbruck.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Christian Schneller: BeitrĂ€ge zur Ortsnamenkunde Tirols. Hrsg.: Zweigverein der LEO-Gesellschaft fĂŒr Tirol und Vorarlberg. Zweites Heft. Verlag der Vereinsbuchhandlung, Innsbruck 1894, S. 22â23 (Textstelle als Digitalisat).
cite-note-22. â Die BĂŒrgermeister der Gemeinden SĂŒdtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre SĂŒdtiroler Gemeindenverband 1954â2004. SĂŒdtiroler Gemeindenverband, S. 139â159, abgerufen am 16. November 2015.
cite-note-astat1981-31. VolkszĂ€hlung 1981 â Die amtliche BĂŒrgerzahl und die Sprachgruppen in SĂŒdtirol nach Gemeinde und Bezirk. Landesinstitut fĂŒr Statistik der Autonomen Provinz Bozen â SĂŒdtirol, MĂ€rz 1983, abgerufen am 9. Dezember 2024.
cite-note-astat2001-42. VolkszĂ€hlung 2001 â Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Provinz Bozen-SĂŒdtirol. Landesinstitut fĂŒr Statistik der Autonomen Provinz Bozen â SĂŒdtirol, August 2002, abgerufen am 9. Dezember 2024.
cite-note-astat2024-53. Ergebnisse SprachgruppenzĂ€hlung 2024 â Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Autonomen Provinz Bozen - SĂŒdtirol. Landesinstitut fĂŒr Statistik der Autonomen Provinz Bozen â SĂŒdtirol, Dezember 1924, abgerufen am 9. Dezember 2024.
cite-note-66. â Christoph Gufler ist der Ansicht, dass der Kröllturm Teil einer kleinen Burganlage mit Palas und Torbau war: Der Kröllturm in Gargazon, in: ARX. (Zeitschrift fĂŒr) Burgen und Schlösser in Bayern, Ăsterreich und SĂŒdtirol, herausgegeben vom SĂŒdtiroler Burgeninstitut, Bozen 2017, Heft 2, S. 24â28.
cite-note-77. â Gufler ebd.